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Es werden Posts vom September, 2024 angezeigt.

Lebendig begraben

In einem Kommentar im Lis-Blog bin ich gefragt worden, was ich von der kleinen Kajüte halte. Da ich unter Platzangst leide, muss ich antworten: Nichts. Ich käme mir vor wie lebendig begraben und hätte ähnliche Panik, wie sie in der Erzählung "The Premature Burial" von Edgar Allen Poe beschrieben wird.  Doch im Fall eines Durchkenterns ist die kleine Kajüte natürlich sinnvoll, weil sie (zusammen mit der Backskiste) sehr viel Auftrieb gibt - vorausgesetzt man hat die Lucken richtig abgedichtet. Ich habe den Schliessmechanismus geändert und mit einem Schraubrad versehen, das wirklich Druck auf die (neuen) Dichtungen gibt. Auch die Backskiste wurde mit neuen Dichtungen und Spannhalterungen ausgestattet. 

Schwert eingebaut

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Der Bootskauf unterscheidet sich vom Autokauf in einem wichtigen Punkt: Man kann mit einem Boot nicht einfach losfahren. Es folgt eine lange Zeit des Kennenlernens, Sichtens, Inspizierens, Prüfens, Nachfragen...Und je ausgiebiger sich der neue Besitzer mit seinem Gefährt beschäftigt, desto länger wird die To-do-Liste. Wer ein Gebruachtboot kauft, handelt sich - das normalste der Welt - zuerst mal ein paar Probleme ein, die es zu lösen gilt. Im Fall meiner Lis war das Schwert ausgebaut. 30kg sind wenig für ein Schwert, aber viel, wenn man es hochheben und im Schwertkasten  mit einem Bolzen befestigen will. Vorausgesetzt, man hat einen Bolzen. Dieser fehlte in meinem Fall und muss bei SVB in Bremen bestellt werden. Im Katalog stoße ich auf den Begriff "Gebrauchslänge". Das muss die Länge ohne den Kopf des Bolzens sein bis zum Loch für den Splint. Und genau so ist es. Für den Einbau des Schwerts gibt es verschiedene Methoden. Mit einem versierten Kollegen zusammen haben wir das ...

Mast stellen

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 Mit dem Stellen des Mastes hatte ich auf zwei Booten Erfahrung gesammelt. Die Surprise hatte nach langem Probieren eine massive Mastlegevorrichtung als Mastfuss bekommen, wo die ärgsten Kräfte wirken. Beim  Corsaire hingegen wurde  der Mast jeweils auf den Schultern zwischengelagert und dann zügig mit dem Spi-Fall und einem Jütbaum in die Senkrechte gezogen. Für die Lis, mein Leichtgewicht, stellte ich mir das Stellen einfach vor. Doch das Balancieren auf dem unstabilen Anhänger erwies sich als gefährlich für den 72jährigen Eigner. Außerdem hatte der Mast weit mehr Gewicht als erhofft, was das Balancieren noch mal abenteuerlicher machte.  Die Aluprofile bei der Anprobe.  Ich bastelte aus zwei Aluprofilen und einer Aluplatte eine Mastlegevorrichtung. Der Mast sollte neu mit einem Bolzen gesichert werden, sodass er nicht mehr mit einem Balanceakt  in den Mastfuss eingesetzt werden müsste. Das Projekt wurde ein voller Erfolg und das Setzen des Mastes geht jet...

Das stehende Gut

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  Weil ich mein ganzen Seglerleben lang auf Ratschläge gehört hatte, schlug ich auch den neusten eines Kollegen nicht in den Wind: das stehende Gut, bestehend aus zwei Wanten und einem Vorstag, zu ersetzen. Und so fuhr ich eines Morgens nach St-Blaise am Neuenburgersee, wo die Firma Bucher und Walt ihren Sitz hat. Gleich zwei Rigger nahmen sich meinem kleinen Schicksal an, guckten das abenteuerliche Vorstag an, das mit Dyneema verlängert worden war und erklärten mir, das sei neu nicht mehr nötig, weil ich ja eine Rollvorrichtung hätte. Ich sagte etwas verlegen "Ja, genau" und übergab ihnen ein paar Fotos mit allen möglichen Endpunkten. Doch die Profis sagten, die Bilder müssten sie nicht haben und ich solle in einer Stunde wieder kommen. Nach einem ausgiebigen Spaziergang im Weindorf kehrte ich pünktlich in den Laden zurück und nahm das neue stehende Gut in Empfang. Ich hatte mich auf eine hohe Rechnung gefasst gemacht, doch das Total war gerade mal 166 Franken.  Mast ohne Tr...

Und jetzt die Segel und ein Probesegeln

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  Für den Preis von 600 Für den Preis von Franken hatte ich einen Bootsrumpf gekriegt, einen Strassentrailer, ein Schwert, einen Mast mit einem Baum, ein Ruder mit Tiller und dazu ein Großsegel. Doch ein Vorsegel war nicht dabei. Wie kurios! Der Verkäufer, der das Boot selbst nie gesegelt hatte, wusste auf das Manko keine Antwort.  Selbst  machte ich mir keine Sorgen, eine provisorische Lösung zu finden, um mir dann in aller Ruhe zu überlegen, was genau ich als Vorsegel brauchen würde.  Auf die Schnelle gelangte ich via Ricardo zu einer kleinen Fock. Sie hatte nicht gerade die idealen Maße, aber eine Wende würde ich damit allemal zu Stande bringen. Ich kaufte das Stück Tuch für 50 Franken. Es war praktisch ungebraucht und hatte die Etikette "Vogel-Meier" aufgenäht, also vom feinsten. Ich fragte mich, warum Leute sich ein Segel aus bestem Hause leisten, um es dann auf Ricardo billigst wegzugeben.  Aber egal:  An einem sonnigen Morgen im August schlug ich am ...

Mein Schulschiff - Erfahrungen nach der ersten Saison

Die kleine Lis-Jolle hatte ich gekauft, weil ich mit meinem 10jährigen Enkel Segelschule veranstalten wollte. Ich hatte in der Bretagne oft meinem grossen Vorbild, den "Moniteurs" der Segelschule "Les Glénands" zugeschaut. Die Lehrerinnen und Lehrer hatten eine sehr einfache, etwas zeitintensive Methode: Die Segelschüler mussten alle Handgriffe der Reihe nach selber ausüben, was allein das Bereitmachen des Bootes zu einer langwierigen Angelegenheit machte. Aber mit der Methode lernten die Azubis von Anfang an alles richtig. Genau so wollte ich mit meinem Enkel auch vorgehen, der bereits einen Sommerkurs auf einem Opti hinter sich hatte. Im Gegensatz zum Optimist gibt es auf der Lis wirklich viel zu tun, weil ein Grossegel und eine Genoa angeschlagen werden müssen und dann vor allem das Wenden und Halsen sozusagen profimässig geübt werden kann. Genau für diesen Zweck erweist sich meine Lis als ideales Boot: Gross genug für den Moniteur als Vorschötler, einfach zu bed...

Die Sache mit der gerollten Genoa

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 Mit meinem Schwager wagte ich mich auch bei viel und böigem Wind auf den Untersee und erlebte ein sehr sicheres und stabiles Boot, das eine fantastische Traktion hat, das heisst die Kraft der Böen in Vorwärtsbewegung umsetzt und nicht (wie mein Corsaire selig) bei jedem Windstoss gleich in die Knie geht, sich zur Seite neigt. Wir benützten bei viel Wind die Rollanlage als Rollreff und dabei ergab sich eine Art Wurstform des teilweise eingerollten Segels.   Ein Kollege, der mir schon viele gute Ratschläge gegeben hatte in meinem (und seinem) Seglerleben, klärte mich dann auf: Meine Lis ist  nicht mit einer Rollreffanlage ausgestattet und liess sich demzufolge nicht richtig reffen, weil der obere Teil des Segels sich nicht dicht einrollen lässt, sondern bauchig bleibt und damit anfällig dafür, sich mit Wind zu füllen. Mein Schwager und ich hatten bei (später festgestellten) 40km/h Wind trotzdem viel Spass. Doch nun überlege ich mir, ob ich für die neue Saison eine ech...

Projekte mit einer Nähmaschine

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Um die eingerollte Genoa zu schützen, kann man einen Genoaschlauch nähen. Die passenden Anleitungen dazu finden sich im Internet.  Wir haben einen relativ dünnen Markisenstoff für 8 Euro den Laufmeter (mit 1.6m Breite!) gewählt und dazu zwei Reissverschlüsse: einen drei Meter langen, der oben an der Mastspitze beginnt.  Während dann der Schlauch hochgezogen wird, hält man den Schlitten des Reissverschlusses fest und zieht so den höher und höher gezogenen Schlauch zu. Am Schluss schliesst man den zweiten Reissverschluss, der vom Deck nach oben geht und sich nach einem Meter mit dem ersten Reissverschluss trifft. Zwischen beiden gibt es eine Oeffnung und dort wird die eingerollte Schot durchgezogen.  Man braucht dazu eine starke Nähmaschine. Die alten Maschinen haben einen guten Ruf, der allerdings in unserem Fall nicht eingelöst wurde. Zwei alte Berninas, die wir billigst im Internet kauften, hatten Macken, sodass wir im Bernina-Laden dann eine etwas teurere ältere Maschin...

Bootsdecke - selbst genäht

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Zum Stoff: Ich habe unter Markisenstoffe auf eBay nachgeschaut und einen sehr günstigen Polyester gefunden für kanapp 6€ pro Laufmeter zu 1.60m (https://ebay.us/m/8yJEBO).  Dazu braucht es einen passenden Faden aus Polyester und eine 100er Nähnadel, also eine von der stärkeren Sorte. Die Nähte, die die einzelnen Stoffbahnen verbinden, habe ich doppelt genäht. Für die Gurten, die die Decke am Boot  festzurren,  sowie für Verstärkungen um Wanten und Vorstag nahm ich unterschiedliche Bänder.  Hinzu kommt dünnes Leder, um  Scheuerstellen über den Wintschen etc zu sichern. Alles in allem etwas mehr als 200 € Kosten. Arbeitsaufwand 3 Tage, Hier die Bilder: Die Decke ist am Heck offen, damit das Boot gut belüftet ist mit offener Luke zur Schlupfkabine. Die Nähte der Stoffbahnen sind doppelt genäht. Der Kragen ist um eine Mastlegevorrichtung geschlungen und schliesst  auch den Mast ab, wenn dieser gestellt ist. Der Reissverschluss führt zur Wante starbords. Der ges...