Mein Schulschiff - Erfahrungen nach der ersten Saison
Die kleine Lis-Jolle hatte ich gekauft, weil ich mit meinem 10jährigen Enkel Segelschule veranstalten wollte. Ich hatte in der Bretagne oft meinem grossen Vorbild, den "Moniteurs" der Segelschule "Les Glénands" zugeschaut. Die Lehrerinnen und Lehrer hatten eine sehr einfache, etwas zeitintensive Methode: Die Segelschüler mussten alle Handgriffe der Reihe nach selber ausüben, was allein das Bereitmachen des Bootes zu einer langwierigen Angelegenheit machte. Aber mit der Methode lernten die Azubis von Anfang an alles richtig.
Genau so wollte ich mit meinem Enkel auch vorgehen, der bereits einen Sommerkurs auf einem Opti hinter sich hatte. Im Gegensatz zum Optimist gibt es auf der Lis wirklich viel zu tun, weil ein Grossegel und eine Genoa angeschlagen werden müssen und dann vor allem das Wenden und Halsen sozusagen profimässig geübt werden kann.
Genau für diesen Zweck erweist sich meine Lis als ideales Boot: Gross genug für den Moniteur als Vorschötler, einfach zu bedienen für den Segelschüler und zum Segeln ausserordentlich gutmütig. Wir verbrachten die Nachmittage bei jeweils wenig Wind auf dem Untersee des Bodensees. Dort übten wir Wenden und Halsen sowie verschiedene Segelstellungen. Mein Enkel hatte seltsamerweise immer den Wunsch Schmetterling zu segeln. Und so hatten wir oft sehr geruhsame Momente an Bord ohne viel Action. Der Plan ist nun, für die neue Saison ein Leichtwindsegel zu kaufen, damit Kurse vor dem Wind etwas mehr Spass machen.
Da es sich um ein altes Boot ohne grossen Wert handelt, liess ich meinen Enkel von Anfang an auch die Hafenmanöver unter Motor (ein Torqueedo L103) fahren. Motoren faszinieren nun mal alle jungen Leute. Er hat auf diese Weise dann schnell gelernt, was es für Folgen hat, wenn man zu schnell auf die Rampe zu fährt. Und weiter, dass der Steuermann immer genug Raum zwischen sich und Pollern lassen soll und nicht über Bojen fahren sollte.
Die Lektionen waren für den Buben ein positives Erlebnis. Und das ist das wichtigste. Wer als Segellehrer seine Schüler zusammenstaucht, auslacht oder selbst ein Nervenbündel ist, wird nie eine enthusiastische neue Generation heranwachsen sehen. Als mein Schüler deshalb einmal zu Hause fragte "Wann gehen wir wieder segeln?" leuchteten meine Grossvateraugen und ich fühlte mich wie ein Moniteur von "Les Glénands".
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